Schule & Gesellschaft - Filmtipp: Das Lehrerzimmer
seit 04.05 im Kino – ein Drama mit sozialkritischem Tenor über Grenzüberschreitungen, Eskalation und Schuldsuche innerhalb des Deutschen Schulsystems.
Quelle und Text von Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
Carla Nowak (Leonie Benesch) ist neu an der Schule. Sie wird Klassenlehrerin einer siebten Klasse. Die Schule hat sich eine Nulltoleranzpolitik auf die Fahnen geschrieben, was zu Verhaltensweisen von Direktorin und Lehrern führt, die Nowak irritieren. Die Klassensprecherinnen werden unter Druck gesetzt, um einen Schuldigen für die sich häufenden Diebstähle zu finden.
Es soll ein Junge mit Migrationshintergrund gewesen sein. Dessen Eltern schwören jedoch, sie hätten ihm das Geld für den Einkauf mitgegeben. Nowak beginnt eigene Nachforschungen zum Verschwinden des Geldes und überführt die Diebin aus dem Lehrerzimmer. Das Video ist illegal, trotzdem wird die Betroffene suspendiert. Da ihr Sohn in Nowaks Klasse geht, überschlagen sich bald die Ereignisse.
Nowak ist noch beseelt von Idealen des Berufs und trifft auf Kollegen, die auf dem Weg in die innere Immigration sind oder dort längst angekommen sind. Die Direktorin gibt die Devise aus, keine Grenzüberschreitung bei den Schülern zu dulden, überschreitet aber selbst immer wieder moralische Grenzen. Das nehmen die Schüler natürlich wahr.
Ilker Çatak beschreibt ganz genau den dynamischen Prozess, in dem es am Ende des Dramas nur Verlierer geben kann. Dabei entlarvt sie viele liebgewordene Slogans der deutschen Schulpolitik.
Diese Seite des Films ist stimmig, umso ärgerlicher ist die Schlamperei bei vielen kleinen Details. Dass Kinder von Angehörigen aus dem Lehrerkollegium an der eigenen Schule unterrichtet werden, ist zumindest in Berlin nicht erwünscht, gibt der Handlung aber immer wieder einen Schub.
Insgesamt sind die Schülerinnen und Schüler auch sehr brav und angepasst, was ihre Rebellionsversuche und Gewaltausbrüche natürlich heraushebt. Andererseits agieren sie mit der Reife älterer Jahrgänge als sie Schüler einer siebten Klasse aufweisen.
Trotz dieser Einschränkungen bietet "Das Lehrerzimmer" einen realistischen Einblick auf den Alltag am Lernort Schule, der nur ein Spiegel gesellschaftlicher Phänomene ist. Das gilt auch für die Eltern, die auf die Lehrerin statt auf die Kinder Druck ausüben, damit es bessere Zensuren für den Nachwuchs gibt. Manch ein Zuschauer wird sich sicher wiedererkennen.
Eine sehr gelungene Film-Kritik gibt es von Janick Nolting