Depression an den Augen erkennen? – 7 echte Anzeichen von Depressionen
Sind Depressionen an den Augen zu erkennen? Leider ein weitverbreiteter Irrtum. Die Augen eines Depressiven verraten Dir nichts von seinem Seelenzustand. Dabei gibt es viel wichtigere Hinweise auf Depressionen, von denen Du wissen solltest.
Schwäche, Kraftlosigkeit und tiefer Schwermut
sind die häufigsten Beschwerden, mit denen depressive Menschen zu kämpfen haben. Doch das sind nicht die einzigen Kämpfe, die es auszufechten gilt…
Eine Depression an den Augen erkennen?
Zeigen sich Depressionen im Gesicht oder der Mimik? Wie sehen depressive Menschen aus?
Depressionen kann Dir niemand ansehen.
Leider zeigen die Medien depressive Personen oft mit verheulten oder leere Augen, Augenringen, traurigen bis ängstlichen Gesichtsausdrücken und einer kauernden, resignierten Körperhaltung.
Wie so oft, ist das nur die halbe Wahrheit. Nicht mal die halbe.
Generell wirken Depressive nach außen hin anders als sie sich die Allgemeinheit vorstellt. Und das hat seine Gründe.
Mehr zu den subtilen Anzeichen & Symptomen: Depressive erkennen
Inhaltsverzeichnis: Depressionen an den Augen erkennen
Depressionen sind längst zur Volkskrankheit geworden
Jedoch eine, über die man lieber nicht spricht.
Berühmte Beispiele waren der National-Torwart Robert Enke und der Schauspieler Robin Williams, die beide Selbstmord begingen, bevor auch nur irgendjemand ahnte, dass sie depressiv bzw. so schwer depressiv waren.
Doch woher willst Du als vielleicht Betroffener wissen, dass Du an einer Geisteskrankheit leidest, die behandelt werden muss?
Oder als Angehöriger und Partner eines depressiven Menschen ahnen, dass dieser Hilfe braucht?
Wie gesagt, an Augen oder Mimik sind Depressionen nicht abzulesen. Depressive Menschen sehen aus wie jeder andere auch. Und genau das macht die Krankheit so gefährlich. Genau genommen: Lebensgefährlich!
Depressive Menschen erkennen
7 typische Anzeichen der Depression
Das Krankheitsbild von Depressionen ist sehr vielseitig. Zum einen bestehen Symptome, die als allgemeine Befindlichkeitsstörungen äußern: Magen-Darm-Probleme, Rückenschmerzen, Migräne usw. Was es schwer macht, sie von einer körperlichen Erkrankung zu unterscheiden.
Zum anderen gibt es eine breite Palette von Hinweisen und Zeichen, die typisch für depressive Personen sind.
Zu allem Überfluss existieren atypische Symptome, wie Aggressivität oder ausgeprägte Stimmungswechsel, die ebenso häufig auftreten.
Vgl. auch Depression: Aggressionen in 50 % aller Fälle sowie hochfunktionale Depression.
1) Negative Gedanken bei Depressionen
Als wohl auffälligstes Merkmal einer Depression gelten negatives oder pessimistisches Denken. Dabei rotieren Deine Gedanken in negativer Weise um Dich, Deine eigene Person, aber auch die Mitmenschen und Vergangenheit sowie Zukunft.
Häufig quälen wir Dich Selbstvorwürfe und Schuldgefühle. Grundsätzlich liegt ein negatives Bild der eigenen Person vor, die depressiven Verstimmungen wertest Du in diesem Zusammenhang dann als persönliches Versagen. Das Leben verliert an Sinn, unter anderem weil Du glaubst, nie wieder glücklich oder gesund zu werden.
2) Depressive haben starke Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten
Unter diesen Umständen ist natürlich Deine Konzentration erheblich beeinträchtigt und Dinge lassen sich schwerer merken.
Selbst einfachste Entscheidungen fallen Dir schwer, weil Du unsicher bist, welche Entscheidung die richtige wäre. Und weil Du große Angst hast, einen Fehler zu machen.
So grübelst Du lange über Dein Verhalten nach, dabei kreisen die Gedanken immer wieder um das selbe Thema:
Dein Unvermögen und die Aussichtslosigkeit.
3) Depressionen erzeugen körperliche Erschöpfungszustände
In der Regel fühlen sich Menschen mit Depressionen
elanlos
erschöpft
schwach
energielos
leer
Die Erschöpfung stellt sich meist sehr rasch ein und chronische Müdigkeit ist die Folge. Ich weiß, das klingt unglaublich, ist aber schreckliche Realität in einer Depression:
Jede kleine Anstrengung, die mit einer körperlichen oder geistigen Aktivität verbunden ist, kostet Dich die letzten Kräfte.
So, als wärst Du komplett leer gesaugt. Schon allein das morgendliche Aufstehen und Ankleiden sind eine echte Herausforderung. Ganz zu schweigen von den restlichen Alltagsaktivitäten wie Duschen, Zähneputzen und Frühstück.
4) Schlaf-, Ernährungs- und Sexualprobleme
Dein Schlaf verliert an Qualität, er ist nicht mehr erholsam. Bei Depressionen kannst Du schwer einschlafen, kaum durchschlafen und wachst morgens sehr früh wieder auf.
Auch Appetitlosigkeit ist ein häufiges Symptom. Aber Vorsicht: dieses Anzeichen kann auch leicht überspielt werden. Denn manche essen ohne Appetit, weil sie sich damit etwas Gutes tun wollen.
Ich mach das auch oft. Schließlich geht mir ohne Essen irgendwann extrem die Energie aus und mir wird schwindlig. Also stopfe ich irgendwas in mich hinein, das ich schnell herunterkriege.
Evtl. auch interessant für Dich: Ernährung bei Depressionen
Besonders quälend ist der Libidoverlust, die Unlust auf den anderen. Du kannst Dich für Sex gar nicht begeistern, dafür fühlst Du Dich zu klein, hässlich und falsch. Gleichzeitig hast Du Schuldgefühle, weil Du Deinem Partner nicht das geben kannst, was zur Liebe dazugehört.
5) Depressive Phasen sorgen für körperliche Probleme
Personen, die an einer Depression leiden, verspüren häufig auch eine Reihe körperlicher Beschwerden von allgemeinem Unwohlsein:
Kopfschmerzen,
Magenschmerzen,
Rückenschmerzen
ein bedrückendes Schweregefühl im Brustraum
Verstopfungen oder Durchfall
Versteckte Depressionen
Die körperliche Depression wird selten erkannt
6) Plötzliche Veränderung des Verhaltens
In einer Depression fühlst Du Dich von allem und jedem überfordert: Alles geht sehr schwerfällig voran…die Arbeit, verschiedene Alltagspflichten und so weiter.
Hobbys und Interessen, die vor der Erkrankung mit Hochgenuss betrieben wurden, besitzen plötzlich keine Bedeutung mehr.
Außerdem isolieren Dich Depressionen von Deinem sozialen Umfeld, weil Du Dich selbst als Belastung empfindest und Dich zutiefst schämst.
Fällt Dir auf, dass sich ein Freund, Bekannter, Partner mit Depressionen extrem zurückzieht, dann lass ihn immer wieder mal wissen, dass Du an ihn denkst und helfen willst.
Oder andersherum: Fällt Dir dieses Verhalten an Dir selbst auf?
7) Angstzustände bei Depressionen
Depressive Angst sind typisch, auch wenn das wenig bekannt ist. Auch gibt es Depressionen & Ängste gemischt
Angst vor der Zukunft,
Verlust- und Trennungsängste,
Angst vor dem Versagen bei täglichen Aufgaben und Pflichten
Angst vor öffentlichen Plätzen
weitere Angstzustände
Sie alle weisen auf einen Hang zur Depression oder eine bestehende depressive Störung hin, vor allem, wenn Du diese Ängste nicht aus eigener Kraft beseitigen kannst.
Es kann genauso gut sein, dass Du Deine Angst nicht konkret benennen kannst: Du spürst einfach eine diffuse Angst vor allem und jedem. Vgl. Depressive Angst.
Solche Angstzustände sind Ausdruck einer grundlegenden Hilflosigkeit und Ohnmacht. Beides wesentliche Symptome einer Depression.
Wieso ist eine Depression gefährlich?
Weil eine Depression alle Bereiche des beruflichen & privaten Lebens beeinträchtigt:
Gefühle & Denken,
Handeln & Leben
Körper & Gesundheit
und das Verhältnis zu den Mitmenschen.
Wird die Depression auf lange Sicht hin nicht behandelt, führt dies nicht selten zu Selbstmordversuchen.
Wann sollte eine Depression behandelt werden?
Natürlich ist es völlig normal, bei Verletzungen, Verlusten oder Enttäuschungen deprimiert zu sein. Es geht aber um den Zeitraum und die Intensität.
Eine psychotherapeutische Behandlung braucht’s:
Wenn Du über Wochen oder Monate nicht in der Lage bist, Deinen Alltag zu meistern.
Wenn Du Selbstmordgedanken hast (Suizidgefahr!)
Wenn Du regelmäßig Stimmungsaufheller einnimmst.
Wenn Du regelmäßig Schlaftabletten einnimmst oder seit Wochen & Monaten Schlafprobleme hast.
Wenn Du körperliche Beschwerden hast, die nicht organisch zu erklären sind
Weitere Anzeichen für Depressionen
Äußerer Eindruck
eintöniges Sprechen
langsames, leises Sprechen
nutzt viele negative Ausdrücke
schleppende und kraftlose Bewegungen
Haupt-Symptome
bedrückt, traurig, niedergeschlagen
interesselos, freudlos
pessimistisch
Depression an den Augen erkennen – unmöglich!
Nur um noch mal die Eingangsfragen zu beantworten. Weder verheulte und glasige Augen machen Depressive erkennbar noch ein trauriger Gesichtsausdruck oder geknickte Körperhaltung.
Es ist sehr wichtig, dass Du die Anzeichen für Depressionen rechtzeitig erkennst, um Dir selbst oder einem anderen Hilfe zu holen.
Die Augen sind zwar das berühmte Fenster zur Seele, aber dieses Seelenfenster ist nicht klar zu entziffern. Darum sind die anderen Merkmale für Depressionen viel aussagekräftiger.
Depression & Augen – gibt’s da irgendeinen Zusammenhang?
Ich verstehe schon, warum die Frage “Depression an den Augen erkennen?” so häufig gestellt wird.
Wenn ein depressiver Mensch sich gerade die Seele aus dem Leib geheult hat, eine Angstattacke hat, sich depersonalisiert oder derealisiert fühlt – Jup, dann kannst Du drauf wetten, dass seine Augen entsprechend traurig, rot, glasig oder trübe aussehen.
Würden sie bei einem gesunden Menschen in einer akuten Krise wohl auch.
Die Sache ist nur: Depressive verstecken sich meistens sehr gut. Lassen Dich also gar nicht erst sehen, ob Sie geheult haben oder sich schlecht fühlen.
Ich kann Dir aber 3 Fakten in Bezug auf Augen & Depressionen präsentieren:
Depressive meiden Augenkontakt
Menschen, die es vermeiden, Deinem Blick zu begegnen oder ihn länger zu halten, können mit seelischen Problemen kämpfen. Ob dann immer gleich eine Depression dahinter steckt, ist fraglich.
Aber generell ist es so, dass ich und andere depressive Menschen Blickkontakt vermeiden, wenn wir uns unsicher, schlecht und traurig fühlen.
Gleichzeitig haben Menschen, die erst einmal depressiv geworden sind, Schwierigkeiten, ihr soziales Netzwerk aufrechtzuerhalten.
Sie sprechen langsamer und monotoner und halten weniger Augenkontakt, zudem sind sie weniger kompetent beim Lösen interpersonaler Probleme. (6)
vgl. auch: Angst vor Blicken – Im Blick des anderen
Depressionen können Augenprobleme hervorrufen
Einige Studien haben bereits gezeigt, dass Depressive eine andere Wahrnehmung und teilweise veränderte Gehirnfunktionen aufweisen als “gesunde” Menschen.
Und generell wirkt sich Stress negativ auf das Sehvermögen aus, ebenfalls wissenschaftlich untersucht: Durch Stress entsteht oft ein erhöhter Augeninnendruck, zudem wird das Auge schlechter mit Dopamin versorgt.
Depressionen können daher folgende Probleme hervorrufen, die zum Beispiel bei mir tlws. in akuten Phasen auftreten:
Augendruck
Flimmern vor den Augen (Augenflimmern)
verschwommen Sehen
brennende Augen (Augenbrennen)
schmerzende Augen (Augenschmerzen)
müde Augen
geschwollene Augen
Augenringe
tränende Augen
trockene Augen
entzündete Augen
Depressionen verändern den Pupillen-Reflex
Vielleicht nicht mit einem Blick, aber durch eine genaue medizinische Untersuchung lassen sich Depressionen an den Augen erkennen (14).
Hintergrund: Guckst Du etwas an, das Du haben willst, begehrst oder schön findest (Belohnung!), weiten sich Deine Pupillen. Als Faustregel gilt: Pupillen werden (oft, aber nicht immer) bei positiven Emotionen größer, bei negativen kleiner.
In einer Studie hat man den Pupillen-Reflex bei Depressionen mit einer Spezialtechnik exakt messen können. Es fiel auf, dass der Pupillen-Reflex bei depressiven Menschen viel schwächer ausfällt als bei den gesunden Teilnehmern.
Je schwerer die Depression, desto weniger weitete sich die Pupille beim Anblick von positiven Bildern.
Die Studie zeigt, dass die Aussicht auf eine Belohnung bei schwer depressiven Patienten nicht zur gleichen Verhaltensaktivierung führt wie bei Gesunden.
Ihr Nervensystem kann sich selbst bei so einer positiven Erwartung weniger stark aktivieren. „Wir vermuten, dass dahinter ein physiologisches System steht, das die oft berichtete Antriebsstörung bei Patienten teilweise erklären kann“, sagt Studienleiter Victor Spoormaker.
Das bedeutet jetzt nicht, dass Du dieses Experiment zuhause mit Lineal und Winkelmesser durchführen kannst oder sollst.
Diese Erkenntnis hilft nur Medizinern, die damit hoffen, einen biologischen Marker in der Hand zu haben, um Depressionen gezielter behandeln zu können.
Quellen:
1) Deutsche Depressionshilfe
2) Neurologen und Psychiater im Netz
3) Apotheken Umschau
4) Patienten-Information.de
5) psych.mpg.de - Website Max Planck Institut für Psychiatrie
6) Butcher, Mineka und Hooley: „Klinische Psychologie“ (Studie)
7) Medizindoc n. e. V.
8) Heilpraktikerin Ulrike Fuchs
9) Mediclin - Kliniken Bad Wildungen: PDF Hilfe zur Selbsthilfe
10) Info Depression Website
11) MindDoc (Angebot der Schön Kliniken)
12) iFightDepression: Selbstmanagement-Ressourcen
13) Ärztezeitung: Artikel “Auf Depressions-Zeichen achten!”
14) Max-Planck-Gesellschaft: Depression im Blick (Pressemitteilung); Original: M. Schneider, I. G. Elbau, Victor I. Spoormaker: “Pupil Dilation during Reward Anticipation Is Correlated to Depressive Symptom Load in Patients with Major Depressive Disorder”