Körperbild & Körperliebe – 4 Übungen bei Körperbildstörung
Das eigene Körperbild hässlich zu finden, ist ein typisches Symptom bei Körperbildstörungen, aber auch Magersucht, Sozialer Phobie, Depressionen etc. Körperliebe ist schwer vorstellbar, wenn Du Deinen Körper so entstellt wahrnimmst. Aber möglich: Hier 4 Übungen bei Körperbildstörung, die Dir helfen können.
Ein gestörtes Körperbild
sorgt für schreckliche und enorme Leiden & Ängste. Alle sprechen von Körperliebe & Körperakzeptanz – das klingt so einfach, ist aber harte Arbeit, die Du intensiv einüben musst.
Körperbilder – Ursache für viele psychische Krankheiten
Dein eigenes Körperbild negativ und entstellt wahrzunehmen ist keine Einbildung, sondern eine handfeste psychische Störung, die mit einer Wahrnehmungsverzerrung zu tun hat. Eine KDS hat auch nichts mit Oberflächlichkeit zu tun, wie ein häufiges Vorurteil besagt.
Leidest Du an einer Körperbildstörung, dann geht es im Grunde um Dein inneres Erleben, indem Du Dich selbst als minderwertig und nicht gut genug erfährst.
Mittlerweile gibt es einige Studien, die herausgefunden haben, warum sich Menschen mit verzerrtem Körperbild so anders sehen:
„Es zeigte sich, dass Jugendliche mit Essstörungen länger auf individuell negativ bewertete Bereiche ihres eigenen Körpers blickten als die gesunden Kontrollprobandinnen, sie also eine besonders defizitorientierte Betrachtungsweise des eigenen Körpers aufweisen und zudem unzufriedener mit ihrem Aussehen waren als die Mädchen ohne Essstörungen.“ (6)
Körperbild Definition – Was ist das?
Das Körperbild beschreibt die Wahrnehmung des eigenen Körpers und die Identifikation damit. In erster Linie ist es eine subjektive Sicht auf das körperliche Selbst. In zweiter Linie die individuelle Wahrnehmung der körperlichen Ästhetik bzw. Schönheit.
Das Körperbild ist ein sehr komplexes Gebilde aus Vorstellungen, Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmung und Verhalten. Es wird also nicht nur von Dir selbst geprägt, sondern auch von Umweltfaktoren, wie gesellschaftlichen Schönheitsnormen, Erfahrungen etc.
Ist das Körperbild negativ und sorgt für einen enormen Leidensdruck, sprechen Mediziner von einem gestörten Körperbild. Dabei ist es total wichtig, zwischen einfacher und normaler Unzufriedenheit mit dem Körper, die jeder Mensch mal hat, und einer Körperbildstörungen zu unterscheiden.
Denn eine Körperbildstörung hat schwerwiegende Folgen für die Gesundheit und schränkt Dein Leben in einem Ausmaß ein, dass sogar Selbstmordgedanken auftreten können.
Selbsthilfe bei Körperdysmorpher Störung
Übungen: Körperliebe & Körperbild verbessern
1) Achtsamkeit & Meditation
Ich selbst bin kein Fan von Trends und Hypes. Vor allem, weil sie oft sehr oberflächlich und scheinheilig kommuniziert werden. Doch aus eigener Erfahrung kann ich Dir versichern, dass Achtsamkeitstrainings, wie Meditation oder Yoga, wirklich helfen können. Sie sind keine Garantie für ein besseres Körperbild und schon gar keine eigenständige Therapiemethode. Doch zusammen mit einer Psychotherapie sehr wirksam.
Atem-Meditation zum Beispiel ist mein Favorit, wenn mein Kopf vor lauter negativer Selbstbewertung verrückt spielt. Die Konzentration auf Deinen Atem beruhigt erst einmal. Sie hilft aber auch, Deinen Körper besser wahrzunehmen, auf wertschätzende Weise spüren zu lernen.
Das ist natürlich nicht mit einmal Meditieren getan. Es geht darum, dass Du eine Routine aufbaust, die sich langfristig auf Dein Körpergefühl und damit auf Dein Körperbild positiv auswirkt.
2) Spiegelarbeit bzw. Spiegelkonfrontation
Das ist wohl die bekannteste Übung bei Körperbildstörungen. Und erstmal total ätzend.
Die Spiegelarbeit fordert Überwindung und braucht Übung, kann aber tatsächlich funktionieren. Anstatt Dich also auf Deine Defizite im Spiegelbild zu konzentrieren, betrachtest Du Körperstellen, die Du an Dir schön oder akzeptabel findest. Und die gibt es, glaub mir!
Hintergrund: Sich krankhaft hässlich zu finden, gründet eher auf einem diffusen Gefühl als auf objektiven Tatsachen. Selbstwertschätzende Gedanken beeinflussen Dein Gefühl, was sich schließlich wieder auf Deine Gedanken und Deine Wahrnehmung auswirkt.
Mit der Zeit wird es für Dich einfacher. Und irgendwann kannst Du wieder Deinen gesamten Körper sehen, mit all seinen schönen und weniger schönen Regionen, so dass Dein Fokus nicht an den Makeln hängen bleibt.
Das funktioniert natürlich nicht bei jedem gleichermaßen gut.
3) Morgendliche Affirmation
Klingt auch wieder nach so einem Eso-Gesülze, ist jedoch ein starker Faktor, Dich selbst & Dein Körperbild positiv zu beeinflussen. Ehrlich, wenn Du unter einer Körperbildstörung leidest, würde ich jeden Strohhalm greifen und ausprobieren. Was hast Du schon zu verlieren?
Du guckst also jeden Morgen in den Spiegel und sagst Dir selbst ein paar Mal, wie schön und wertvoll Du als Person bist. Wie einzigartig Du bist. Dass Du genug bist.
Manche Leute kleben dafür liebevolle Notizen an den Spiegel: ein psychologischer Trick! Denn so verbindest Du allmählich Dein Spiegelbild mit diesen positiven Nachrichten und wohltuenden Gefühlen der Wertschätzung.
Durch die ständige Wiederholung übst Du einen weiteren psychologischen Trick aus: Je öfter eine Aussage nämlich wiederholt wird und von Dir gehört, desto glaubhafter wird sie für Dich.
4) Deinen Körper bewusst wertschätzen
Bitte nicht mit den phrasenhaften Dankbarkeits-Vibes verwechseln, die so oft gefordert werden und dem Positivitäts-Trend (toxische Positivität) angehören. Das ist zu oberflächlich und passt auch nicht bei jeder psychischen Störung.
Bei der Körperbildstörung ist es aber wichtig, dass Du Deine Körperwahrnehmung aus anderer Perspektive beeinflusst. Und hier kann Dankbarkeit und Wertschätzung echt helfen (ich betone: kann, nicht muss).
Schärfe Dein Bewusstsein dafür, dass der menschliche Körper ein echt raffinierter Organismus ist, der verdammt viel kann:
Deine körperlichen Sinne sind Dein Fenster zur Welt. Mit Ihnen kannst Du nicht nur sehen, hören und riechen, sondern vor allem erleben und erfahren.
Mit Deinen Händen hast Du schon einiges erschaffen. Egal ob Zeichnen, Schreiben, Basteln, Gärtnern, Stricken, Filzen, Töpfern – das alles sind kreative Tätigkeiten mit Flow-Effekt, ein Sinnbild für Deine Schaffenskraft als Mensch.
Deine Füße sind nicht nur Anhängsel oder Fortbewegungsinstrumente. Sie sind ein filigranes Gebilde und haben eine spezielle Aufgabe: Sie lassen Dich balancieren, stützen Dich, lassen Dich kleinste Unebenheiten auf dem Boden spüren usw.
Ich sage nicht, Du musst jetzt Dankbarkeits-Listen führen. Aber nimm Dir ein paar Augenblicke, um Dir diese Dinge ins Gedächtnis zu rufen. Auch das beeinflusst nämlich Dein Körperbild positiv.
Mütter von KDS-kranken & ihr Einfluss
Erziehungsmuster spielen eine große Rolle
Ich will hier gar nicht groß auf die Ursachen des KDS Syndroms eingehen. Die sind so vielfältig, dass es ganze Abhandlungen füllt. Interessant ist aber, welche Rolle Mütter bei der Entstehung von Körperbildstörungen spielen.
„Tatsächlich zeigte sich, je weniger wohlwollend die Mütter ihren eigenen Körper betrachteten, desto weniger wohlwollend taten dies auch ihre Töchter (…)
Je stärker die Mütter bei ihren Töchtern auf die negativ bewerteten Körperbereiche blickten, desto mehr fokussierten die Töchter bei sich selbst auch die negativ bewerteten Körperareale.“ (6)
Wohlgemerkt: Damit sind nicht nur bewusste Körperbild-Bewertungen gemeint. Meine Mutter zum Beispiel äußerte sich nicht negativ über meinen Körper, aber über ihren eigenen. Und das nicht mal in besonders krasser Weise. Aber ich erinnere mich daran, dass meine Mutter ständig Diät hielt und sich oft über ihren Körper beklagte.
Wahrscheinlich kann das nicht als alleinige Ursache für eine Körperbildstörung herhalten. Zusammen mit anderen vielseitigen und komplexen Faktoren kann diese Erfahrung jedoch dazu beitragen, ein negatives Selbstbild auszubilden.
Körperbild verbunden mit Verarbeitung von inneren Signalen
Hintergrund: Menschen verarbeiten bestimmte Signale des Herzens und Darms unbewusst. Immerzu interpretiert das Gehirn diese “Botschaften” und erhält so aktuelle Infos über den inneren Zustand des Körpers.
In einer kürzlich erschienen Studie (12) wurde genau diese Reaktionen untersucht: Versuchsteilnehmer, deren Gehirn schwächer auf Darm und Herz reagierte, tendierten zu Körperscham und Gewichtssorgen.
“Wir nehmen unseren Körper sowohl von innen als auch von außen wahr: Wir können uns bewusst sein, wie unsere Haut und unsere Gliedmaßen aussehen, aber auch, wie hungrig wir uns fühlen oder wie stark unser Herz beim Sport schlägt. Das Gehirn verarbeitet auch ständig innere Signale, die uns nicht bewusst sind.”, so die Hauptautorin der Untersuchung: Dr. Jennifer Todd.
“Wir fanden heraus, dass Personen, deren Gehirn weniger auf diese impliziten Signale aus dem Körperinneren reagiert, eher negative Ansichten über ihr äußeres Erscheinungsbild haben.
Wenn das Gehirn eine schwächere Verbindung zum inneren Körper hat, legt es möglicherweise mehr Wert auf den äußeren Körper, so dass das äußere Erscheinungsbild für die Selbsteinschätzung viel wichtiger wird. (…)
Die in unserer Studie verwendeten Messungen der Darm- und Herzsignale könnten möglicherweise als Biomarker dienen, um ein negatives Körperbild und damit verbundene Erkrankungen wie Essstörungen zu erkennen oder sogar vorherzusagen.
Vorsicht: Social Media fördern Körperbildstörungen
Auf mich als Betroffene wirken die perfekten Selfies und Selbstinszenierungen in den Sozialen Medien äußerst negativ ein.
Du kannst gar nicht anders als Dich zu vergleichen. Und als Mensch mit negativem Körperbild & verzerrter Selbstwahrnehmung verlierst Du jedes Mal. Noch schlimmer: Du siehst Deinen Körper immer negativer, hässlicher und entstellter.
"Bearbeitete Selfies können dazu führen, dass Menschen den Bezug zur Realität verlieren (…) Die Bilder wecken die Erwartung, dass wir immer perfekt herausgeputzt aussehen müssen", meinten Forscher bereits im Jahr 2018 (4).
Gerade auf Instagram, Facebook und TikTok werden Selfies häufig bearbeitet und angebliche Makel retuschiert. Diese Flut an perfekten Körpern und Gesichtern geht nicht spurlos an einem vorbei.
Körperliebe ist Selbst-Freundschaft
Was ist denn mit Körperliebe eigentlich gemeint? Nicht sowas wie „Ich bin wunderschön und alles ist toll an mir.“ Nö, es geht ja nicht um Verklärung, sondern um eine Art von selbstbewusster Akzeptanz gegenüber Deinem Aussehen.
Du bist Dir Deiner Stärken und Schwächen bewusst, ohne Dich daran aufzuhängen und komplett mit dem ein oder anderen zu identifizieren.
Körperliebe ist damit eine Art von Gelassenheit. Ja, dann hast Du halt ein paar Fettpolster, Orangenhaut oder eine lange Nase – das macht Dich nicht hässlich, minderwertig oder zu sonst einem negativen Wesen.
Das ist wie mit sich selbst befreundet sein. Einen Freund oder eine Freundin würdest Du auch niemals ablehnen oder abwerten, weil sie/er nicht schön genug ist, einen auffälligen Pickel hat oder Falten.
Quellen:
1) Bernhard Schlage: Körperbildstörungen – ein spezielles Behandlungsfeld der Körperpsychotherapie
2) Andreas Uschok: Körperbild und Körperbildstörungen – Handbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe (Auszug)
3) Kate Shkodzik: Was ist das Körperbild? Flos Anleitung zur Selbstliebe
4) Ärzte Zeitung: Realitätsverlust – Gestörtes Körperbild durch Selfies?
5) Susruthi Rajanala et al: Selfies – Living in the Era of Filtered Photographs (Studie 2018)
6) Ärztliche Praxis Neurologie Psychiatrie: Körperbild und Essstörungen
7) Wikipedia: Dysmorphophobie
8) Melanie Pignitter: Körperliebe: So schließt du Frieden mit deinem Körper und wirst heil
9) dysmorphophobie.de: Auswege
10) Mike Trott: Prevalence and correlates of body dysmorphic disorder in health club users in the presence vs absence of eating disorder symptomology (Studie 2020)
11) Psylex: Menschen mit Magersucht und Körperdysmorphie zeigen Ähnlichkeiten und Unterschiede im Gehirn
12) Jennifer Todd et al: Weaker implicit interoception is associated with more negative body image: Evidence from gastric-alpha phase amplitude coupling and the heartbeat evoked potential (Studie 2021)