Du bist, was Du denkst – Was sind Gedanken?

Du bist, was Du denkst: Gedanken & Denken beeinflussen Deine Sicht auf die Welt und Dich selbst. Sie können Dich zu Tränen rühren oder vor Freude strahlen lassen. Aber noch viel wichtiger: Wie & was Du denkst, prägt im Wesentlichen, was Du vom Leben hast. Daher ist es so wichtig, Dein Denken immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Und zu wissen, was Gedanken sind!

Du bist, was du denkst - Was sind Gedanken?

Über Gedanken nachdenken

Es lohnt sich, über die eigenen Denkmuster & Gedanken nachzusinnen. Ganz einfach deshalb, weil sie unmittelbar auf unser Leben und unsere Art zu Leben wirken.

Vgl. auch Geist und Gehirn – Ich ist nicht Gehirn

 

Du bist, was Du denkst – keine neue Idee

Sich Gedanken über Gedanken zu machen und zu hinterfragen, was Gedanken sind, ist seit langem eine Praxis, die in verschiedenen Kulturen angewendet wurde und immer noch wird. Insbesondere von Weisen und Mystikern, quer durch die Geistes- und Kulturgeschichte hindurch.

Um nur ein paar der Großen zu zitieren:

  • „Du wirst zu dem, was Du denkst“ – Buddha

  • „Du wirst zu dem, worauf Du schaust.“ – Jesus

 

Das Denken prägt die Weltsicht und die Weltsicht das Denken

Mittlerweile hat aber auch die moderne Neurobiologie & Psychologie bestätigt: Unsere Gedanken prägen unsere Weltsicht bzw. schaffen unsere Welt.

Untersuchungen ergaben sogar, dass dauerhaftes negatives Denken das körpereigene Abwehrsystem schwächen. (1) Positives Denken stärkt das Immunsystem hingegen. Genauso verhält es sich mit Gefühlen. Evtl. auch interessant für Dich: Was Dich nicht umbringt, macht Dich stärker (?)

Der Philosoph Hanne Weinelt meint, dass Gedanken „wie auch ein Wort vitale Energieformen darstellen, die konkrete Veränderungen in der physischen Materie bewirken.

Wohl gemerkt: Wir sind hier weit entfernt vom allgemeinen „Denk positiv und alles wird gut.“-Bla-Bla. Es geht hier um alltägliche Gedanken, automatische Denkmuster, die unsere Einstellung zu unserem Ich, zum Leben und zu unseren Mitmenschen stark beeinflussen.

 

Was sind Gedanken?

Du bist was Du denkst: Gedanken

Ein Gedanke ist gleichzeitig das Resultat und eine Konstante von Denkprozessen. Gedanken sind also das, was gedacht wird.

Gedanken manifestieren sich unterschiedlich in unserem Unterbewusstsein und Bewusstsein: so ist eine Meinung, eine Idee oder eine Ansicht ein Gedanke. (4)

So gern wir das Wort auch in den Mund nehmen, so richtig definieren konnte bisher niemand den Gedanken. Stattdessen gibt es verschiedene Ebenen, die wohl irgendwie ineinander spielen:

 

1) Der Gedanke in psychologischer Sicht

In der Psychologie spricht man eigentlich nicht von Gedanken, sondern der Kognition eines Menschen. Also alles, was mit Wahrnehmen und Erkennen zu tun hat. Psychologisch betrachtet, haben Gedanken die Funktion, Situationen zu bewerten und die Handlungen des Subjekts zu planen und zu steuern.

Im Folgeschluss bedeutet das: Gedanken sind eine rein geistige Vorstufe von Aktionen, die genutzt werden, um die Folgen der eigenen Handlung zu interpretieren und zu bewerten.

 

2) Gedanken in physiologischer Sicht

In der Neurobiologie sind Gedanken Inhalte des Bewusstseins, die durch neurophysiologische Vorgänge erzeugt werden: Informationsmuster (Meme) werden dabei in einen Zusammenhang eingebunden und so entstehen komplexe Bedeutungseinheiten.

 

3) Gedanken in physikalischer Sicht

Auch auf physikalischer Ebene lassen sich Gedanken als reale Entitäten nachweisen. Sie sind dann das Zusammenspiel aller Vorgänge im Gehirn (Emergenz), nicht jedoch diese neuronalen Prozesse selbst.

 

Erst das Gefühl und dann das Denken?

Wie ist das mit dem Denken eigentlich?

Untersuchungen haben ergeben, dass es mit unserer Rationalität nicht so weit her ist, wie wir es gerne hätten.

So scheinen rationale Gedanken meist eine Legitimierung von Gefühlen zu sein. Im Nachhinein. Das heißt, erst wird gefühlsbasiert entschieden oder gehandelt, danach das Ganze rational unterfüttert.

Wobei: auch hier aufpassen – der Verstand ist nicht ein Gedanke.

Folgt das Denken also dem Gefühl?

Nehmen wir an, Du stehst auf und bist schon mies gelaunt. Kleinigkeiten, die Dir sonst nicht auffallen oder anders erscheinen, werden plötzlich relevant und reizen Deine Stimmung noch mehr:

  • Kaffee verschüttet – war ja klar, dass Dir das wieder passieren muss

  • der Partner wischt seine Brotkrümel nicht vom Tisch – wie kann man nur so unaufmerksam sein!

  • Die Kinder sind heute echt unerträglich laut

  • und dann kommt auch noch die U-Bahn zu spät – na toll, der Tag ist echt gelaufen!

Ganz anders läuft es, wenn Du mit guter Laune in den Tag startest. Der verschüttete Kaffee ist dann halb so wild. Der Partner hatte es halt eilig und die Kids sind aufgeregt wegen des Ausflugs heute. Die U-Bahn kommt zwar zu spät, aber hey, so konntest Du Deiner Mutter noch eine WhatsApp schicken.

 

Gedanken verändern & aktiv Gefühle steuern

Wenn unsere Gefühlslage die Sicht auf die Welt und uns selbst bestimmt, dann erzeugt eine Veränderung der Gefühle auch eine Veränderung im Denken. Sagen wir, Du hast Dir vorgenommen, Dich mehr mit Glück und Glücksempfindungen zu beschäftigen. Deine Stimmung wird automatisch besser sein, Deine Aufmerksamkeit wird nun auf anderen Dingen liegen als vorher. Und auch Deine Gedanken werden viel positiver sein oder sich mehr mit Positivem füllen.

Die Gehirnforschung hat auch dafür objektive Beweise geliefert. Tatsache ist: Wir sehen die Welt, wie wir sind, nicht wie sie ist.

Sind Dir viele negative Dinge widerfahren, siehst und erlebst Du Deine Umwelt und Mitmenschen pessimistischer als jemand, der von mehr positiven Erfahrungen berichten kann.

 

Emotionen reifen vor den Gedanken

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Wenn Emotionen im Spiel sind, zeigt sich das im Gehirn durch eine Aktivität im limbischen System. Beim Denken ist der präfrontale Kortex & das anteriore Cingulum aktiv.

  1. Denken und Fühlen sind daher schon mal rein strukturell nicht gleich.

  2. Tatsächlich ist es so, dass unser Emotionssystem wesentlich früher ausgebildet ist als die Teile des Gehirns (Hirnrinde), die für Kognitionen wichtig sind.

  3. Bei relevanten Ereignissen ist das limbische System früher und stärker aktiv als das kognitionsrelevante.

Das bedeutet eine ganze Menge: Gefühle prägen sich aus, lange Zeit, bevor wir nur ein Wort hervorbringen können. Laut der Psychologie schon im Mutterleib.

 

Wie lassen sich Gefühle verändern?

Wie können wir emotionale Prozesse verändern, wenn es nicht mit dem Verstand funktioniert?

“Meine Antwort lautet: Emotionale Prozesse lassen sich dadurch verändern, dass die auslösenden Bedingungen dieser Prozesse so verändert werden, dass sie nicht mehr in Gang gesetzt werden.

Die Praxis dieses Satzes ist eher heikel, zäh und schwierig. Sie läuft darauf hinaus, dass man sich selbst durch eigenes Handeln neue Erfahrungen verschaffen muss, die einem befähigen andere Emotionen zu aktivieren, sodass die alten Bedingungen für die Aktivierung der alten emotionalen Abläufe nicht mehr eintreten und also die alten Prozesse langsam 'absterben' können.”

- Dr. Wolfgang Palm

 

Du bist, was Du denkst

Der Gedanke & das Denken

Die Definition von Gedanken ist bereits eine extreme Kniffelei. Soweit ich verstehe, glaubt ein Neurowissenschaftler, Gedanken manifestieren sich als Aktivitätsmuster im Gehirn.

Das bedeutet aber: damit 2 Personen den gleichen Gedanken haben, müssten ähnliche Aktivitätsmuster zu sehen sein. Wie ein Automat oder eine Maschine – darum spricht man hier auch von einem mechanistischen Menschenbild (ala Freud).

Das ist aber weniger plausibel, da 2 Menschen trotz ähnlicher Erfahrungen und Eigenschaften unterschiedliche Gedanken entwickeln.

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„Ein Gedanke ist weniger ein bestimmter neuronaler Zustand im Kopf, sondern ein zeitlich ausgedehnter Prozess, dessen Gehalt über das Gehirn hinausgeht. (...)

Vielmehr müssen wir uns vorstellen, dass das Gehirn unablässig damit beschäftigt ist, seinem Träger, dem Menschen, dabei zu helfen, existierende Dinge in der Welt zu erkennen und vor allem, wiederzuerkennen, um zu überleben.”

- Prof. Dr. H. Walter

Mit anderen Worten:

Der Gedanke ist Interaktion mit uns selbst & der Umwelt

Das Gehirn ist nicht ein unabhängiges Ding, sondern ein Organ in einem komplexen Organismus – Wir als Ganzes mit Körper, Geist und Seele.

Dieser Organismus ist ständig im Austausch mit der Umwelt, meistens unterbewusst. Systemische Therapeuten würden hier sagen: der Mensch ist Teil eines Systems.

Funktion des Gehirns ist es, zwischen äußerer Realität und Innerer Wahrnehmung einen Kontakt herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten. Gedanken bilden sich also aus der Interaktion zwischen Gehirn, Körper und Umwelt. Ähnliches gilt übrigens für Gefühle:

„Die Wissenschaft sagt nun scheinbar: Alles ist Gehirn. Was wir jedoch noch nicht genau wissen ist, wie neuronale Aktivitäten in mentale Aktivitäten, also in subjektives Erleben, übersetzt werden. Klar ist nur: Das Gehirn ist eng mit dem Körper verknüpft. (…)

Was wir als seelische Zustände beschreiben würden – etwa die Verbindung zu anderen Menschen, Gefühle und auch meditative oder ehrfürchtige Zustände – entsteht also aus der Verbindung zwischen Körper, Umwelt und Gehirn.

Unser Seelenleben ist demnach in der Tat mehr als nur Gehirnaktivität: Es entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel zwischen Gehirn, Körper und Umwelt.“

- Prof. Dr. Dr. G. Northoff

 

Fazit: Du bist, was Du denkst

Was Du denkst, bist Du - aber Du bist nicht Deine Gedanken

Leider herrscht allgemein immer noch die Meinung: „Meine Gedanken sind die Wirklichkeit“ und „Ich bin meine Gedanken“.

Stimmt aber nicht. Gedanken sind ein Resultat aus dem komplexen Wechselspiel von Gehirn, Umwelt und Körper.

Um die eigenen Gefühle & Gedanken positiv zu beeinflussen, hilft es Deinen Geist zu trainieren. Und das kann jeder, es braucht lediglich Übung. Insbesondere Achtsamkeitstraining bzw. Konzentrationstraining tut unserer Psyche gut.

Vgl. auch Dialektische Menschenbilder: Marx – Fromm – C. G. Jung – Schmitz – Mehrgardt


Quellen

1) Christiane Fux: Wie die Seele die Körperabwehr steuert
2) Hannes Weinelt bei Treffpunkt Philosophie e. V.
3) Monika Matschnig, Diplom-Psychologin Persönlichkeits-, Arbeits- und Organisationspsychologie
4) Wikipedia: Gedanken
5) Maike Niet: Interview mit Prof. Dr. med. Dr. phil. Henrik Walter, Psychiater, Hirnforscher und Philosoph an der Charité Universitätsmedizin Berlin
6) BR 2 Redaktion – Themenbeitrag
7) Prof. Dr. Dr. Georg Northoff, Neurowissenschaftler, Philosoph und Psychiater
8) Dr. Wolfgang Palm, Verhaltenstherapeut in Karlsruhe

Tamara Niebler (Inkognito-Philosophin)

Hi, ich bin Tamara, freie Journalistin & studierte Philosophin (Mag. phil.). Hier blogge ich über persönliche Erfahrungen mit Depressionen & Angst – und untersuche psychische Phänomene aus einer dezidiert philosophischen Perspektive. Zudem informiere ich fachkritisch über soziale Ungerechtigkeiten und gesellschaftliche Missstände, die uns alle betreffen.

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Fernweh – Die Flucht vor sich selbst (Psychologie & Reisesucht)

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