Ernährung bei Depressionen – Happy dank gesundem Essen?
Ernährung bei Depressionen wird heiß diskutiert. Gibt es eine richtige Ernährung gegen Depressionen? Kannst Du Dich mit Happy Mood Foods „gesund essen“? Fakt ist, es gibt Zusammenhänge zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit. Aber ob gesunde Ernährung bei Depressionen hilft, bleibt fraglich. Die richtige Ernährung ist wichtig, keine Frage. Aber sie muss durch klassische Behandlungen ergänzt werden, um bei Depressionen zu helfen.
Macht gesundes Essen Depressive glücklich?
Happy Mood Foods sind gut für Deine Gesundheit, keine Frage. Aber können sie Depressionen vorbeugen oder sogar heilen?
Ernährung gegen Depressionen
– Mainstream oder Fakt?
Du weißt, dass sich Deine Ernährung auf Deine Allgemeingesundheit auswirkt. Fast Food und raffinierte Lebensmittel sind auf Dauer schlecht, vollwertige Lebensmittel gut. So weit, so klar.
Das trifft auf jeden einzelnen Menschen zu, nicht nur auf psychisch Kranke. Deine Ernährung nimmt Einfluss auf Deine Stimmung, auch das konnte bereits belegt werden. Aber wie sieht das Ganze bei Depressionen aus?
Gibt’s glücksfördernde Lebensmittel, die depressiven Menschen das Leben leichter machen?
Kannst Du Dich in einer Depression gesund essen?
Oder Depressionen mit der richtigen Ernährungsweise vorbeugen?
Völlig aus der Luft gegriffen sind diese Fragen natürlich nicht. Mittlerweile gibt es einige Untersuchungen, die gesunde Ernährung als Prävention betonen oder den positiven Einfluss in einer Depression belegen konnten. In den Medien wird sogar von Happy Mood Foods gesprochen.
Nur: so ganz richtig ist der Schluss „Gesunde Ernährung bei Depressionen“ nicht. Und von einem eindeutigen Ergebnis lässt sich beim Prüfen der Studien ebenso wenig sprechen.
Ernährung & Psyche – wie hängt das zusammen?
Um besser zu verstehen, was da zwischen Depressionen und Lebensmitteln läuft, musst Du ein bisschen was über die biologischen Grundlagen wissen.
Es existieren verschiedene Theorien dazu, in welcher Beziehung Psyche und Ernährungsgewohnheiten stehen. Wohlgemerkt: Theorien, keine absolut gesicherten Erkenntnisse. (Die gibt’s nur im Märchen oder Fernsehen 😄)
Fachgebiete, die sich mit dem Thema beschäftigen, zum Beispiel
die Ernährungspsychologie,
die Psychoneuroimmunologie,
die Neurogastroenterologie,
Endokrinologie usw.
1) Ernährung und Gehirn
Naturbelassene Lebensmittel wie Obst und Gemüse enthalten Baustoffe fürs Gehirn. Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralien usw. brauchst Du, damit Dein Gehirn und Dein Verdauungssystem überhaupt alle notwendigen Botenstoffe produzieren kann, die es zur Steuerung diverser Körperfunktionen braucht.
Dazu zählen auch Glückshormone wie Serotonin und Dopamin, die sich direkt oder indirekt auf Deine Stimmung auswirken. Fehlt Dir das Material, um Neurotransmitter herzustellen, kann das verschiedene, negative Auswirkungen haben. Sowohl auf Deine Psyche als auch auf Deinen Körper.
Angeblich haben einige depressive Menschen einen Mangel an Serotonin und Dopamin. Ganz so genau ist der Wirkmechanismus noch nicht verstanden, aber einem Teil der Betroffenen helfen Medikamente, welche dafür sorgen, dass genug Serotonin und Dopamin da ist.
Aber: Sie helfen nur einem Teil der Betroffenen. Andere sprechen mehr auf Entzündungshemmer an, andere auf eine Kombination verschiedener Maßnahmen und wieder anderen ist sogar mit reinen Placebos geholfen. (Vgl. Dr. Placebo - der Arzt in mir)
2) Ernährung und Immunsystem
Gehirn und Immunsystem kommunizieren miteinander und das hat auf beiden Seiten Auswirkungen – also im Gehirn selbst und innerhalb Deiner Abwehrkräfte. Nicht umsonst spricht man heute vom „Bauchhirn“ als 2. Nervenzentrum.
Tatsächlich zeigen einige Studien, wie sehr sich das Immunsystem auf Deine Gedanken und Deine Stimmungen auswirkt. Ernährung hat wesentlichen Einfluss auf das menschliche Immunsystem.
Klar, oder? Ernährst Du Dich ungesund oder mangelhaft, leidet es mit, weil ihm die Nährstoffe zur Produktion von Immunzellen fehlen.
Außerdem zeigen einige Forschungen, dass Depressionen mit entzündlichen Prozessen im Körper in Verbindung stehen (8). Die Idee beruht auf dem „Sickness Behavior“ Effekt: bei Infektionskrankheiten ändert sich das Verhalten der Betroffenen, verursacht durch die Ausschüttung von Zytokinen (Stoffe, die Entzündungen signalisieren).
Es kommt häufig zu Appetitlosigkeit, depressiven Verstimmungen, Angst, sozialem Rückzug und einem stärkerem Schmerzempfinden.
Seit Jahren gibt es daher die Hypothese, dass es sich bei Depressionen um eine Form von „Sickness Behavior“ handelt.
Tatsächlich helfen entzündungshemmende Mittel bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Krankheiten (Arthritis, Psoriasis, Darmkrankheiten), depressive Verstimmungen zu lindern. Außerdem finden sich bei ca. 30 % der depressiven Menschen erhöhte Entzündungsmarker (CRP, TNF, IL-1, IL-6).
Das erklärt zumindest bei 1/3 der Betroffenen die möglichen Ursachen und Zusammenhänge.
Aber auch nur bei einem Drittel.
3) Darmflora & psychische Gesundheit
Aller guten Dinge sind 3 ☝️ Deine Darmflora ist Teil des vegetativen Nervensystems. Die Mikroorganismen, die dort fröhliche Festmahle veranstalten, wirken sich auf Deine Stimmung und Dein Verhalten aus (22).
Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Dir bestimmte Lebensmittel besonders gut schmecken und Du diese auch häufiger isst.
Ein Opfer Deiner Darmflora bist Du deswegen nicht.
Jedenfalls nicht komplett, wenn Du bewusst ran gehst. Du kannst durch eine Veränderung Deiner Essgewohnheiten das Mikrobiom im Verdauungstrakt beeinflussen – und das schon innerhalb eines Tages.
Das funktioniert auch umgekehrt: Deine psychische Verfassung kann sich auf Deine Verdauungsfunktionen niederschlagen und Probleme verursachen.
Und noch was: sogar Persönlichkeitsmerkmale haben eine entsprechende Spiegelung in der Darmflora (23). Gesellige Menschen mit viel sozialem Kontakt besitzen zum Beispiel eine vielfältigere Darmflora als ängstliche Personen.
Die Rolle der gesunden Ernährung bei Depressionen
Bereits im Jahr 2010 gab’s eine amerikanische Studie (3), die herausfand, dass eine ungesunde Ernährung (verarbeitete Lebensmittel) das Depressionsrisiko erhöht.
Konsumierst Du viel Fast Food (Pizza, Burger), Süßigkeiten und Weißmehl-Produkte, bildest Du auf Dauer Nährstoffmängel aus: allen voran ein Defizit an
essenziellen Fettsäuren,
B-Vitaminen (B6, B9, B12)
und Mineralien (z. B. Magnesium)
2012 (4) wurden diese Ergebnisse noch einmal belegt, mit einer Auswertung von nur 11 Studien:
Die Forscher bestätigten, dass eine Ernährung, die aus viel Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten besteht, das Risiko für Depressionen senken konnte.
Klingt mega? Jap, finde ich auch … klingt so …
Nur: Das Ganze ist nicht so einfach in einen Ursache-Wirkung-Zusammenhang zu bringen.
Auch 2019 wurden Untersuchungen durchgeführt (16), die eine Verbindung zwischen Depression und Zuckerkonsum sowie stark verarbeiteten Lebensmitteln sahen. Dazu werteten sie Telefonumfragen aus. Im Abstrakt der Studie heißt es:
„Die Studie konnte nur einen Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Ernährung feststellen, nicht, was Ursache und was Wirkung ist.“
Solche kleinen Feinheiten in den Ergebnissen stimmen mich kritisch. Und Dich hoffentlich auch 😉 Es gibt noch weitere Ungereimtheiten (siehe weiter unten im Text) – etwa die Ernährungsempfehlungen …
Ernährung bei Depressionen – das sind die Empfehlungen
Wissenschaftler haben Ernährungstipps zusammengestellt, mit denen sich Depressionen vorbeugen lassen könnten (5).
Dazu gehören: mediterrane Ernährung mit viel Omega-3-Fettsäuren, unverarbeiteten Lebensmitteln, viel Obst und Gemüse, Vollkorn, Nüssen und Samen.
Tricky an Ernährungsempfehlungen bei Depressionen ist:
Es handelt sich dabei um Ernährungsempfehlungen, die auch für jeden anderen Menschen gelten – ob gesund oder nicht. Von einer richtigen Ernährung bei Depressionen können wir also gar nicht sprechen.
Trotzdem, hier eine Übersicht:
Dopamin-Lebensmittel
Dopamin spielt in vielen mentalen Prozessen eine entscheidende Rolle. Du brauchst es für Glücksgefühle, aber auch fürs Gedächtnis.
Bananen
Avocado
Nüsse
Paprika
Karotten
Serotonin-Nahrungsmittel
Serotonin ist als das Glückshormon bekannt. Hat aber noch eine Reihe anderer Funktionen.
Kartoffeln
Fenchel
Feigen
Mandeln
Walnüsse
Kürbiskerne
Spinat
GABA-Lebensmittel
Von dem Ding hast Du bestimmt schon gehört. Der Neurotransmitter hat was mit Ruhe und Entspannung zu tun.
Weizenkleie
Fisch
Mandeln
Walnüsse
Orangen
Bananen
Linsen
Hafer
Brokkoli
Naturreis
Vollkornprodukte
Spinat
Omega-3-Nahrung
Fette sind deshalb so wichtig, weil Dein Gehirn zu ca. 60% aus Fettsäuren besteht. Sie werden für das Zellwachstum, die Reizübertragung und den Zellstoffwechsel benötigt.
Fisch (Lachs, Thunfisch, Schellfisch, Makrele, Forelle, Sardine)
Leinöl
Nüsse und Samen (Chia-Samen, Leinsamen, Walnüsse, Mandeln)
Algen
Weizenkeime
Gemüse (Rosenkohl, Spinat, Avocado, Bohnen)
Noradrenalin-Nahrung
Ein wichtiger Botenstoff für den Parasympathikus, also Deinem vegetativem Nervensystem (dazu zählt das Bauchhirn).
Grünes Gemüse
Äpfel
Hafer
Bananen
Ananas
Mandeln
Vitamin-D-Lieferanten
Vitamin D soll heute gegen eine Vielzahl von Krankheiten helfen bzw. ein Mangel für die Ausbildung von Erkrankungen sorgen, wie Depressionen (7).
Meerestiere
Milchprodukte
Pilze
Die liefern allerdings nur geringe Mengen. Wichtiger ist Sonne auf bloßer Haut, um das Pro-Hormon zu erzeugen. Moment, Hormon? Korrekt: ist kein Vitamin, sondern eine Vorstufe des Hormons Calcitriol.
Hilft gesunde Ernährung gegen Depressionen?
Jetzt mal Klartext.
Du hast jetzt viel darüber erfahren, wie sich eine vollwertige, abwechslungsreiche Ernährung auf Deine Psyche und Deinen Körper auswirken kann.
Ich betone: KANN – oder auch nicht kann.
Aber ein Allheilmittel gegen Depressionen ist sie nicht.
Du kannst mit gesunden Lebensmitteln keine Therapie komplett ersetzen. Und wenn doch, dann hattest Du nicht wirklich Depressionen, sondern wahrscheinlich „nur“ eine depressive Verstimmung.
Wenn du wirklich depressiv bist, dann ist die Ernährung sicher ein ergänzender und sinnvoller Baustein zur Psychotherapie, aber viel zu schwach in ihrer Wirkung, um ausschließlich durch eine Ernährungsumstellung Deine Depressionen loszuwerden.
Du kannst Dich also nicht gesund essen.
Das zeigen die neuesten Analysen. Zum Beispiel eine Meta-Analyse von 2019 (9):
„Obwohl die Mehrheit der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel die psychische Gesundheit nicht signifikant verbesserte, fanden die Forscher starke Hinweise darauf, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel eine wirksame zusätzliche Behandlung für einige psychische Gesundheitsprobleme sind, die die konventionelle Behandlung unterstützt.“
2020 (15) gab es dann noch mal eine Auswertung und ziemlich deutliche Worte dazu:
„Es gebe die allgemeine Überzeugung, dass Ernährungsempfehlungen für die psychische Gesundheit auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhten. In Wirklichkeit ist es sehr schwierig zu belegen, dass bestimmte Diäten oder bestimmte Nahrungsbestandteile zur psychischen Gesundheit beitragen.“ (14)
„Bei gesunden Erwachsenen sind die Auswirkungen der Ernährung auf die psychische Gesundheit ziemlich gering, und das macht es schwierig, diese Auswirkungen zu erkennen: Es kann sein, dass eine Nahrungsergänzung nur dann funktioniert, wenn es Mängel aufgrund einer schlechten Ernährung gibt.
Die Genetik sollte auch berücksichtigt werden: Subtile Unterschiede im Stoffwechsel können dazu führen, dass manche Menschen besser auf Veränderungen in der Ernährung ansprechen als andere.“
Vgl. CBD gegen Depressionen – Hilft CBD wirklich?
Ernährungsempfehlungen gegen Depressionen sind nicht eindeutig
Warum sind die Ergebnisse früherer Studien nicht aussagekräftig genug? Das Problem ist vor allem, dass sie nicht erklären konnten, warum bestimmte Ernährungsweisen diese oder jene Wirkung zeigen. Auch sind viele Untersuchungen, die einen Wirkzusammenhang belegen möchten, ziemlich uneinheitlich (18).
Die Kritikpunkte im Überblick:
Fehlende Intervention bei den Kontrollgruppen verzerren die Ergebnisse
Viele Symptom-Linderungen waren nicht stark ausgeprägt
Die Studien weichen in der Menge der gegebenen Nährstoffe erheblich voneinander ab
Teilweise fehlen Angaben zur Menge der Nährstoffe
Es gibt momentan keine allgemeine, weltweit geltende Definition von mediterraner Ernährung – also auch hier weichen die einzelnen Untersuchungen voneinander ab
Die Frage bleibt offen, ob eine Entzündung die Depression auslöst oder andersherum: die Entzündung ein Symptom der Depression ist
Es fehlten einheitliche Testverfahren für depressive Symptome
Keine Studie belegte, wie genau sich die Teilnehmer an die Ernährungsvorgaben hielten und wie stark daher ihr Einfluss auf die Depressionssymptome war
Einige nutzen Fragebögen und Interviews zur Analyse, was eine hoch umstrittene Methode ist
Teilweise wurden die Probanden durch fehlende Neutralität beeinflusst: sie erhielten Infos über den Zweck der Studie und die zugrundeliegende Theorie
Mehr Frauen als Männer wurden untersucht, mittlerweile ist jedoch bewiesen, dass Männer anders auf Ernährung ansprechen als Frauen.
Das klingt mir alles danach, dass Ernährung bei Depressionen und ihre Gesundheitswirkung eine extrem individuelle Sache ist und nicht allgemein für jeden Betroffenen gilt.
Auffällig ist auch, dass zum Schluss in mehreren Studien immer wieder Sätze fallen wie dieser:
„es wäre mit den derzeit verfügbaren Daten verfrüht zu sagen, dass die Ernährung das Depressionsrisiko nachhaltig beeinflussen kann“ (17)
That’s it!
Vitamin D als Schutz vor Depressionen – richtig oder falsch?
In der Vergangenheit gab es viele Studien und Forschungen zu Vitamin D bei und gegen Depressionen.
Natürlich mit verschiedensten Ergebnissen. Bei den meisten Menschen ist allerdings die banale Vermutung hängen geblieben, dass ein Vitamin D Mangel zu Depressionen führe.
Hier wird wieder eine einzige Ursache gesucht…und hier liegt der Hund begraben: Es gibt nicht den alles erklärenden einzigen Faktor.
Diese Hypothese wurde schon 2014 widerlegt (10): „Beinahe alle Studien zeigten methodologische Einschränkungen, und alle, außer 2, hatten Teilnehmer ohne klinisch signifikante Depression zu Beginn der Studie. Die generelle Verbesserung bezüglich der Depressionssymptome über alle Versuche hinweg war klein und nicht klinisch signifikant.“ (11)
Zum gleichen Schluss kam Mitte 2020 eine großangelegte Studie namens VITAL-DEP, die größte bisher mit über 18.000 Menschen (12).
Das Ergebnis: Vitamin D allein ist nicht der ausschlaggebende Faktor, um vor Depressionen zu schützen oder gegen sie zu wirken.
Warum gab es dann so viele Studien, die behaupteten, dass Vitamin D das Mittel gegen Depressionen sei?
Die Forscher erklären, das waren alles nur kurze oder kleine Studien mit wenigen Menschen (einige mit weniger als 50 Personen, eine sogar nur mit 3 Frauen, noch viel weniger mit ein paar hundert Menschen) oder methodischen Defiziten.
Um eine Kausalität festzustellen, braucht es aber große randomisierte Studien, wie die VITAL-DEP es vormacht.
Auch ist die Frage noch nicht geklärt, „ob Vitamin-D-Mangel zu Depressionssymptomen beiträgt, oder ob Depression selbst zu einem niedrigeren Vitamin D Niveau beiträgt, oder wie dies chemisch vorsichgehen könnte.“ (13)
Zucker und Depressionen – Gibt es da einen Zusammenhang?
Auch was das Thema Zucker und Depressionen betrifft, ist die Studienlage nicht ganz so eindeutig. Folgende Erkenntnisse gibt es momentan dazu:
„Männer & Frauen mit Stimmungsstörungen UND hohem Zuckerverbrauch hatten ein erhöhtes Risiko für eine Depression nach 5 Jahren, aber dieser Befund war nicht unabhängig von anderen soziodemografischen, gesundheits- und ernährungsbedingten Faktoren“ (19)
Aber es scheint eine Verbindung zwischen Zucker und Stimmungsstörungen bei Männern zu geben (19)
Die gleiche Studie fand allerdings keine Verbindung zwischen dem Zuckerkonsum und neu auftretenden Stimmungsstörungen bei Frauen – und es ist unklar, warum. (19)
Die Forscher vermuten im Allgemeinen: „Süße Lebensmittel können kurzfristig positive Gefühle einleiten. Personen in niedergedrückter Stimmung essen zuckerhaltige Lebensmittel in der Hoffnung, die negativen Gefühle lindern zu können.“ (19)
Ernährung bei Depressionen hat bei Frauen und Männern unterschiedliche Effekte
BÄM! Das ist mal eine wirklich interessante Neuigkeit 😃 Da läuft eine Menge anders bei Frauen als bei Männern. Dass es anatomische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt und auch das Gehirn etwas anders funktioniert, wurde ja schon früher herausgefunden.
Viel wichtiger ist aber eine Erkenntnis von 2018 (21), die (leider) auf Umfragen auf Social Media beruht: Frauen sind scheinbar mehr auf eine ausgewogene Ernährung angewiesen, um sich psychisch wohlzufühlen.
Im Klartext: Ernährst Du Dich als Frau ungesund, fühlst Du Dich wesentlich schneller gestresst, überfordert und unausgeglichen als ein Mann. Als gesunder Mann kannst Du mangelhafte Ernährung also länger kompensieren, ohne psychische Probleme auszubilden. Wahrscheinlich hat das was mit der Evolutionsbiologie zu tun.
Depressionen und Nahrungsergänzungsmittel
Könnten Nahrungsergänzungsmittel, also Vitalstoffe in konzentrierter Form, einen gesundheitlichen Effekt bei Depressionen haben?
Haben schlaue Menschen natürlich auch vor Kurzem untersucht (9). Fakt ist, die meisten Nahrungsergänzungsmittel werden Deine Depression nicht verbessern oder heilen.
Aaaaaber es gibt schon ein paar Dinger, die sich als Ergänzung in einer Depression auszahlen. Dazu gehören:
Omega-3-Fettsäuren
die Aminosäure N-Acetylcystein
Spezielle Arten von Folat-Ergänzungen (aber nicht Folsäure)
Den Nutzen von Vitamin-Zusätzen (Vitamin E, C, D) und Mineralien (Zink, Magnesium) zweifeln die Forscher allerdings stark an. Ebenso hilfreich können Probiotika als Zusatzbehandlung sein (24):
„Die Wirkung, die Probiotika bei Patienten haben, kann zweierlei Mechanismen haben, schreiben die Wissenschaftler: So könnten Probiotika Depressionen direkt lindern (z.B. über die Beeinflussung von Tryptophan) und/oder sie könnten die Erfahrung eines Patienten mit dessen Depressivivät / Angst positiv beeinflussen, indem sie zusätzliche Komorbiditäten (Darmerkrankungen) lindern.“
Fazit: Gesunde Ernährung bei Depressionen
Gesunde Ernährung ist eine sinnvolle Ergänzung
Ernährung und psychische Gesundheit hängen zusammen, aber Ernährung alleine kann nicht Deine Depressionen verbessern
Was die vielen Studien belegen, ist eine mögliche Unterstützung von psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlungen durch gesunde Nahrungsmittel und bestimmte Nahrungsergänzungsmittel. Gesunde Ernährung ist daher immer eine tolle Basis für Deine Gesundheit, genauso wie Sport, soziale Interaktionen, Entspannung etc.
So wird im Übrigen auch die Ernährungspsychiatrie definiert, als ergänzende Therapieform.
Bei Frauen hängt gesunde Ernährung mit ihrem psychischen Wohlbefinden zusammen. Auch wenn das nur ein subjektiver Faktor sein mag, ist es gut zu wissen!
Was lässt sich jetzt für depressive Menschen daraus ableiten?
Grundsätzlich solltest Du wirklich alles tun, um Deine Gesundheit wiederzugewinnen. Oder andersherum: alles vermeiden, was Deine Stimmung negativ beeinflussen kann. Dich vor, während und nach einer Depression gesund zu ernähren, ist wichtig. Ebenso wie ausreichend Bewegung, (ausgewählte) soziale Kontakte, kreative Tätigkeiten etc. Allein schon, um alles auszuschließen, was Deine Depressionsschübe fördert.
Nur bitte sieh die Ernährung nicht als Wundermittel an, mit dem Du allein alle gesundheitlichen Probleme lösen kannst. Ich glaube auch nicht, dass eine schlechte Ernährung als Erklärung herhalten kann, warum jetzt ausgerechnet Du Depressionen hast. Das wäre zu einfach gedacht.
Die Ernährung bei Depressionen ist allerdings ein Faktor, den Du beeinflussen kannst und solltest.
Quellen:
1) Liesa Huppertz: Depression: Wie Ernährung und Psyche zusammenhängen
2) Johanna Wehrmann: Ernährung gegen Depressionen: Macht Essen glücklich?
3) Felice N: Jacke: Association of Western and traditional diets with depression and anxiety in women (Studie 2010)
4) C. Sanhueza: Diet and the risk of unipolar depression in adults: systematic review of cohort studies (Studie 2012)
5) R. S. Opie: Dietary recommendations for the prevention of depression (Studie 2016)
6) Friederike Reuver: Depressionen ganzheitlich behandeln: Der Einfluss gesunder Ernährung auf die Psyche
7) Anglin et.al.: Vitamin D deficiency and depression in adults: systematic review and meta-analysis (Studie 2013)
8) Pharmazeutische Zeitung: Depression – Entzündungen als möglicher Auslöser (Forschungsbericht 2018)
9) J. Firth et.al: The efficacy and safety of nutrient supplements in the treatment of mental disorders: a meta‐review of meta‐analyses of randomized controlled trials (Studie 2019)
10) Jonathan A: Vitamin D Supplementation for Depressive Symptoms: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials (Studie 2014)
11) Psylex: Neue Metastudie findet keine Belege für eine therapeutische Wirkung von Vitamin D bei depressiven Störungen
12) O. Okereke et.al: Effect of Long-term Vitamin D3 Supplementation vs Placebo on Risk of Depression or Clinically Relevant Depressive Symptoms and on Change in Mood Scores. A Randomized Clinical Trail (Studie 2020)
13) Psylex-Quelle: Mayo Clinic Proceedings (Studie 2012)
14) Psylex: Wie die Ernährung die psychische Gesundheit beeinflusst: Was sind die Erkenntnisse?
15) R. Adan et. al: Nutritional psychiatry: Towards improving mental health by what you eat (Studie 2020)
16) J. E. Banta et al: Mental health status and dietary intake among California adults: a population-based survey (Studie 2019)
17) M. Berger et al: Cross-sectional association of seafood consumption, polyunsaturated fatty acids and depressive symptoms in two Torres Strait communities (Studie 2018)
18) Christina Moser: Mediterrane Ernährung als Therapieansatz bei mittelschwerer bis schwerer Depression (Studienarbeit 2020 der fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH)
19) Psylex: Kann übermäßiger Zuckerkonsum auf lange Sicht zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit führen? (Bericht über Studie 2017)
20) K. Mantantzis et al.: Sugar rush or sugar crash? A meta-analysis of carbohydrate effects on mood (Studie 2019)
21) Lina Begdache et al: Principal component analysis identifies differential gender-specific dietary patterns that may be linked to mental distress in human adults (Studie 2018)
22) Psylex :BioEssays (Studie 2014)
23) Katerina V.-A. Johnson: Gut microbiome composition and diversity are related to human personality traits (Studie 2020)
24) Sanjay Noonan et al: Food & mood: a review of supplementary prebiotic and probiotic interventions in the treatment of anxiety and depression in adults (Studie 2020)