Ich kann nicht mehr – Tipps, wenn die Seele nicht mehr kann

“Ich kann nicht mehr” ist ein typischer Gedanke, wenn Du ausgebrannt bist und nichts mehr geht. Dabei handelt es sich vielleicht um eine depressive Verstimmung. Das bedeutet aber nicht, dass Du gar nichts tun kannst. Im Gegenteil, der Gedanke “ich kann nicht mehr” zeigt Dir, dass es höchste Zeit ist, um jetzt gegenzusteuern.

Ich kann nicht mehr – Wenn die Seele nicht mehr kann

Wenn man nicht mehr kann

bist Du an Deine Belastungsgrenze gekommen und ausgebrannt.


Inhaltsverzeichnis: Ich kann nicht mehr


 

„Ich kann nicht mehr“ ist ein seelisches Notsignal

Eins vorweg: Es ist völlig natürlich, wenn Dir mal alles zu viel wird und Du Dich nur noch nach Ruhe und Erholung sehnst. Gefährlich wird es aber, wenn Gedanken wie „Ich kann nicht mehr, ich bin am Ende“ oder „Ich spüre keine Freude mehr am Leben“ häufiger kommen – und vor allem bleiben.

Warum kann ich nicht mehr?

Überforderung & Stress als Auslöser

Das klingt jetzt seltsam, aber die „ Ich kann nicht mehr“-Gedanken sind normal, eine völlig natürliche Reaktion Deiner Psyche auf Überforderung. Andere Menschen haben auch diese Art von Gedanken, sie reden nur nicht darüber.

Alleine, dass so viele Menschen heutzutage an Depressionen und anderen psychischen Störungen erkranken, beweist, wie verbreitet und menschlich dieser mentale Hilferuf an sich selbst ist.

Vgl. auch Volkskrankheit Depression – Rolle von Politik & Gesellschaft

 

Überfordert & nervlich am Ende

Symptome der Überlastung

  • starker Leistungsabfall, der schon längere Zeit anhält

  • wenig Energie, Kraftlosigkeit, evtl. körperliche Schwäche

  • Lustlosigkeit gegenüber Dingen, die Dir eigentlich Freude bereiten

  • Du stellst Dir plötzlich Grundsatzfragen über den Sinn des Lebens in heutiger Zeit

  • Schlafstörungen, die Deine Schlafqualität extrem beeinträchtigen (Probleme einzuschlafen, durchzuschlafen, vorzeitiges Aufwachen)


Wenn die Seele nicht mehr kann

Wenn die Seele nicht mehr kann

Dass Du Überforderung wahrnimmst ist ein Zeichen von gesunder Psyche.

Erst, wenn Du dieses Zeichen ignorierst und verdrängst, wird es richtig gefährlich.

Letzteres passiert leider viel zu vielen Menschen: die heutige Gesellschaft strebt nach Leistung und Optimum, da bleibt leider nicht viel Platz fürs Mensch-sein.

Leistungsdruck & Gesellschaft

Für Dich, mich und die meisten anderen Menschen wirkt es so, als hätte jeder sein Leben fest im Griff – nur Du selbst nicht. Das haben wir zum Teil den Sozialen Medien zu verdanken, wo Good Vibes Only (toxische Positivität) das Image bestimmt.

Was für Dich von außen nach einem super Leben mit größter Erfüllung & einem Maximum an Lebensfreude aussieht, ist oft nur Fassade. Tatsächlich gibt es solche Phänomene, die sich Smile Depression und Hochfunktionelle Depression nennen. Wahrscheinlich hast Du noch nie davon gehört, aber Betroffene schon tausendmal gesehen. Du triffst sie täglich beim Bäcker, in der U-Bahn, auf der Arbeit oder in sonst einer alltäglichen Situation.

 

“Ich kann nicht mehr”-Gedanken

Kommt dir das bekannt vor?

  • ich kann nicht mehr, ich bin nur noch am weinen

  • ich kann nicht mehr schlafen

  • ich kann nicht mehr arbeiten

  • ich kann nicht mehr lachen

  • ich kann nicht mehr stark sein

  • ich kann nicht mehr denken

  • ich kann nicht mehr Mutter sein

  • ich kann nicht mehr kämpfen

  • ich kann nicht mehr weinen, obwohl ich traurig bin

  • ich kann nicht mehr essen

  • ich kann nicht mehr lernen

  • ich kann nicht mehr reden

  • kann mich nicht mehr konzentrieren

  • ich kann nicht mehr abschalten

  • ich kann nicht mehr fühlen

  • ich kann nicht mehr laufen

  • ich kann nicht mehr aufhören, zu weinen

  • ich kann nicht mehr, bin am Ende


Psychischer Stress & Überforderung in Deutschland nehmen zu

Im Ernst, Überforderung ist heutzutage ein brisantes Thema im Arbeits- und Gesundheitsbereich. Nur wird immer noch nicht oft und ehrlich genug darüber gesprochen. » Immer mehr psychisch Kranke – eine Mental Health Krise?

Laut verschiedenen Studien leidet ein Großteil der deutschen Bevölkerung unter zunehmendem Stress:

1) 2016 zeigte eine repräsentative Untersuchung mit 20.000 Menschen (1), dass

  • 53 % unter Müdigkeit und psychischer Erschöpfung leiden

  • 40 % mit körperlicher Erschöpfung kämpfen

  • 34 % Schlafstörungen haben

  • 24 % sich spürbar niedergeschlagen fühlen

2) Eine Studie der Techniker Krankenkasse aus dem gleichen Jahr kam zu ähnlichen Ergebnissen:

  • Jeder 6. von 10 Menschen fühlt sich gestresst – beruflich oder privat

  • wobei 63 % der Frauen in Deutschland & 58 % der Männer unter wiederkehrendem Stress leiden.

3) Der Stressreport des Bundes von 2019 (3) zeichnet auch kein schönes Bild, die subjektive Überforderung (5) hat überall zugelegt. Und das war „nur“ eine Auswertung unter denen, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen.

Wenn man nicht mehr kann

Wenn man nicht mehr kann

Häufigkeit von “Ich kann nicht mehr”-Gefühlen

Mal ehrlich, hat Dir jemals jemand, den Du flüchtig kennst, auf die Frage „Wie geht’s“ etwas anderes als „Gut.“ oder „Passt schon“ geantwortet?

Negative Gefühle und Gedanken sind in unserer westlichen Gesellschaftskultur unerwünscht.

Zum einen, weil es uns allen unangenehm ist und wir Negatives gerne verdrängen, wegschieben, einfach ignorieren.

Zum anderen weil wir bereits in der Kindheit beigebracht bekommen, dass wir negative Gedanken und Gefühle vor anderen nicht zeigen sollten.

„Ich kann nicht mehr“ bei depressiven Verstimmungen oder Depressionen

Fast alle Betroffenen berichten über diese Art negativer Gedanken. Der Unterschied zwischen depressiver Verstimmung und Depression ist die Dauer. Depressive Verstimmungen hat jeder mal, zum Beispiel wenn ein nahestehender Mensch stirbt, der Stress überhand nimmt oder eine Liebesbeziehung zu Ende geht.

Dauern niedergedrückte Gefühlslagen, Erschöpfungszustände und Gedankenkreise länger als 2 Wochen an, dann wird es jedoch brenzlig für Dich. Je nachdem, kann es sich dann um eine typische Depression handeln oder um den Subtyp Erschöpfungsdepression.

Drängt sich Dir der Gedanke „Ich kann nicht mehr“ immer wieder auf, solltest Du inne halten. Auf keinen Fall die Gedankenschleifen mit mehr Arbeit, mehr Leistung und mehr Verpflichtungen kompensieren, das führt Dich nur in den endgültigen Nervenzusammenbruch.

 

Seelische Erschöpfung nicht ignorieren

So erging es mir und vielen anderen Betroffenen auch. Anstatt dem seltsamen Gedanken auf die Spur zu gehen, stürzte ich mich weiter in die Arbeit und versuchte mir einzureden, diese schweren Gefühle würden von allein wieder verschwinden.

Kleiner Spoiler: hat nicht funktioniert. Nur alles schlimmer gemacht. Bis ich zum Schluss durch Panikattacken komplett zusammenbrach. Erste Diagnose: Agoraphobie und Erschöpfungsdepression. Als es mir nach einer kurzen Therapiezeit wieder besser ging, begann das Spiel von vorn.

Wieder stürzte ich mich rücksichtslos in die Arbeit, wieder gab ich alles – nur nicht für mich selbst. Und wieder war ich komplett am Ende. Diesmal fiel die Diagnose schlimmer aus: schwere Depression und soziale Phobie.

Und die Krankheit führte dazu, dass ich einige Momente, die eigentlich die schönsten im Leben darstellen, nicht fühlen konnte.

 

Ich kann nicht mehr & bin nur noch am Weinen

Ein Hilferuf an das Selbst

Sorry, windige Tipps bringen Dich hier nicht weiter: Gönne Dir Erholung, plane Ruhepausen ein, sei kreativ... Wenn der Gedanke „Ich kann nicht mehr“ sich in Dir festgesetzt hat, dann bringen diese Ratschläge leider nicht mehr viel. » Warum Ratschläge wie Schläge sind

Sie sind dann nur reine Symptombekämpfung: so kannst Du evtl noch einige Monate oder Jahre weitermachen, die nagenden Gedanken und die gefühlte Leere kommen allerdings bei vielen wieder.

Wenn die Seele nicht mehr kann

Wohin, wenn Du nicht mehr kannst?

Hör’ bitte nicht auf die ganzen Selbstmanagement-Gurus und Coaching-Angebote, die Du im Internet zuhauf findest. Das alles sind sehr schlechte Ratgeber, wenn Du nicht mehr kannst und am Ende angelangt bist.

Ich lege Dir ehrlich und unübertrieben ans Herz, Dir gleich Hilfe zu nehmen. So kannst Du im besten Fall eine psychische Erkrankung verhindern oder frühzeitig erkennen. Deine psychische Gesundheit ist wirklich alles Wert.

Bitte nimm’ Dir ärztliche Hilfe, Du brauchst sie jetzt.

 

Wie Du dem Arzt erklärst, dass Du nicht mehr kannst

Deine erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt bzw. Allgemeinarzt. Mach Dir keinen Kopf darüber, was Du dort sagst und wie das rüberkommt. Ärzte werden mittlerweile darauf geschult, depressive Formulierungen, Verhaltensweisen und Beschwerden zu erkennen.

Lies hier meine Kurz-Anleitung: Wie spreche ich Depressionen beim Arzt an?

Alles, was Du dort zu sagen brauchst, sind Deine Gedanken: „Ich kann nicht mehr“. Außerdem darfst Du über all Deine Leiden sprechen, wie schlechter Schlaf, Anspannung, totale Erschöpfung, sinnfreie Gefühle etc. Und spiele nichts herunter, nur so erhältst Du die richtige Hilfe.

Ist das getan, wird Dich der Arzt erst einmal krank schreiben und Dir eine Überweisung zum Psychiater ausschreiben.

Und dann? Atme erst einmal auf und sei mächtig stolz auf Dich! Du musst nicht am gleichen Tag mit der Suche nach einem Facharzt beginnen. Wenn Du aber gerade im Schwung bist, dann nutz’ das lieber aus.

 
Ich kann nicht mehr - Arzt suchen

Facharzt suchen - Psychiater oder Psychotherapeut

Ich will hier nichts beschönigen. Als nächstes musst Du Dir selbst einen Facharzt für psychische Störungen suchen. Das bedeutet erst einmal Recherchieren, wer in Deiner Nähe überhaupt so etwas anbietet.

Ich wusste von diesen Angeboten damals nichts und habe selbstständig über Google nach Psychotherapeuten gesucht und dann alle in meiner Nähe angerufen. Das kannst Du natürlich auch machen. Hauptsache, Du unternimmst etwas, um Hilfe zu bekommen.

Fazit: Ich kann nicht mehr

  • “Ich kann nicht mehr” sind typische Gedanken bei Überforderung, aber auch bei Depressionen, Angststörungen & anderen psychischen Erkrankungen

  • Du bist nicht allein: Stress & Überforderung nehmen in Deutschland zu. Depressionen gelten heute als Volkskrankheit.

  • Beherrschen Dich länger als 2 Wochen Gedanken wie: “Ich bin am Ende.”, “Ich kann einfach nicht mehr”, “Mir ist alles zu viel” - dann kann eine Depression dahinter stecken.

  • Vorsicht vor dem Hamsterrad! Viele versuchen ihr Leid durch Arbeit, Erlebnisse oder sonst irgendetwas zu kompensieren. Das treibt Dich aber noch mehr hinein.

  • Wenn Deine Seele nicht mehr kann, dann such Dir bitte rechtzeitig Hilfe.


Quellen:
1) Arbeitszeitreport Deutschland 2016
2) TK-Stressstudie: Entspann dich, Deutschland (2016)
3) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA): Stressreport Deutschland 2019 – Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden
4) Frank Jacobi: Nehmen psychische Krankheiten zu? (Psychologische Hochschule Berlin)
5) Ärzteblatt: Fehltage wegen psychischer Erkrankungen auf Höchststand (2021)
6) Bruce, S. P. (2009). Recognizing stress and avoiding burnout. Currents in Pharmacy and avoiding burnout, 1(1), 57-64.
7) Demerouti, E. (2015). Strategies used by individuals to prevent burnout. European Journal of Clinical Investigation, 45(10), 1106-1112.

Tamara Niebler (Inkognito-Philosophin)

Hi, ich bin Tamara, freie Journalistin & studierte Philosophin (Mag. phil.). Hier blogge ich über persönliche Erfahrungen mit Depressionen & Angst – und untersuche psychische Phänomene aus einer dezidiert philosophischen Perspektive. Zudem informiere ich fachkritisch über soziale Ungerechtigkeiten und gesellschaftliche Missstände, die uns alle betreffen.

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